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Vorwort

Lernen ist sowohl natürliches Bedürfnis eines jedes Menschen, als auch ein lebenslanger Prozess. Wir wollen die Neugier, Offenheit und das Interesse jedes einzelnen an der Welt wach halten, anregen und unterstützen.

Wir bieten ein Umfeld, in dem vielfältige Begegnungen das Lernen fördern. Alle Beteiligten bringen ihre Ideen, Fragen und Impulse in einen gemeinsamen Kommunikations- und Lernprozess ein. Jeder kann sich emotional, intellektuell, physisch, spirituell und kreativ entfalten. Sämtliche Angelegenheiten des Zusammenlebens werden von allen Beteiligten gemeinsam geregelt. Im Sinne Hartmut von HENTIGs versteht sich unsere Schule als „Polis“, als eine Gesellschaft im Kleinen, in der das Leben ausdrücklich zugelassen ist. Wir begreifen Unterschiede als Reichtum. Die Grundbedingungen eines friedlichen, gerechten und gemeinsam verantworteten Zusammenlebens können hier erfahren werden und der ganze Mensch kann sich entfalten. Unsere Schule baut eine Brücke zwischen den Erfahrungen, die der Einzelne im Rahmen seiner Familie macht und der gesellschaftlichen Öffentlichkeit. Wichtige Kenntnisse und Fähigkeiten können hier erworben und eigene Deutungsmodelle der Welt entwickelt werden. Unsere Schule ist ein Ort, wo mit Freude und Leidenschaft gelebt und gelernt wird.

Zukunft ist prinzipiell nicht vorhersehbar. Wissen, dessen Wert in der Zukunft sehr ungewiss ist, auf Vorrat zu erwerben, kann daher kein tragfähiges Bildungskonzept sein. Wichtiger scheint uns, jeden einzelnen Menschen zu respektieren, ihn als unverwechselbare, wertvolle und liebenswerte Persönlichkeit anzunehmen und in der Entfaltung seiner Potenziale zu unterstützen. Wir bieten Unterstützung beim Herausfinden, wer man selbst ist, wie man die eigene Persönlichkeit auf kreative Weise ausdrücken kann und wie man die volle Verantwortung für sein eigenes Leben übernehmen kann. Dazu bieten wir ein anregendes Umfeld, verlässliche Beziehungen und eine Gemeinschaft, die stärkt und stützt aber auch herausfordert.

Wir stehen klar in der Tradition der Reformpädagogik. Aus unserer Sicht genügt es jedoch nicht, ein bestimmtes Schulmodell oder einzelne Reform-Methoden nur zu kopieren. Vielmehr stellen wir uns die gleichen Fragen, die Reformpädagogen sich jeweils gestellt haben und versuchen aktuell kreative Antworten darauf zu finden. Wie funktioniert Lernen, wie verlaufen Entwicklungen, wie können wir hier und heute, den Bildungsprozess jedes einzelnen bestmöglich unterstützen?

Unsere Schule wurde 1990 als erste Freie Alternativschule in der DDR gegründet. Seither haben wir in einem permanenten Reflektions- und Entwicklungsprozess unsere heutige Form und Struktur herausgebildet. So wie sich jeder einzelne in unserer Schule, ob jung oder alt, als Lernender versteht, verstehen wir unsere Schule als Lernende Organisation. In einem dynamischen Prozess entwickeln wir uns weiter und verändern uns. Dabei sind wir „fehlerfreundlich“, wir verstehen Fehler als produktive Momente im Lernprozess.

Wenn wir uns in der historischen und der gegenwärtigen Bildungslandschaft genauer verorten wollen, können wir im erziehungswissenschaftlichen Bereich das Buch „Offener Unterricht“ von Falko PESCHEL nennen. Seine wissenschaftliche Beschreibung offenen Unterrichts kommt unserem Konzept von Schule sehr nah. Eine besondere konzeptionelle Nähe besteht zu Demokratischen Schulen. Wir teilen deren Grundprinzipien, dass die Schülerinnen über ihr Lernen selbstbestimmt entscheiden und dass sie über alle Angelegenheiten der Schule mitbestimmen können. Es gilt das Prinzip: eine Person, eine Stimme.

Weiterhin haben uns folgende Pädagogen stark beeinflusst:

Leo TOLSTOI (1828-1919)
Russischer Schriftsteller, bereiste westeuropäische Länder, um deren Bildungssysteme kennen zu lernen, betrieb auf seinem Gut Jasnaja Poljana eine Schule, in der die Bauernkinder frei und selbstbestimmt lernen konnten, veröffentlichte eine Zeitschrift und weitere Schriften zur Pädagogik, wichtiger Wegbereiter einer freiheitlichen Pädagogik

Célestin FREINET (1896 -1966)
Französischer Pädagoge, Kontakt zu Reformpädagogen in den 1920ern, eigene Internatsschule in Vence, wichtige Ideen: freie Entfaltung der Persönlichkeit, der freie Ausdruck, Schulklasse ist eine Kooperative, die sich mittels Klassenrat selbst verwaltet, Schuldruckerei, Klassenkorrespondenz, praktische, schöpferische Arbeit

John HOLT (1923 – 1985)
Amerikanischer Pädagoge und Autor, beschäftigte sich mit der Frage, warum Kinder in der Schule das Interesse am Lernen verlieren, verfasste mehrere Bücher über selbstbestimmtes Lernen und Kinderrechte, nach der Einsicht, dass das Schulsystem nicht zu reformieren ist, Beschäftigung mit der Idee des Unschooling und Herausgabe des Magazins „Growing Without Schooling“

David GRIBBLE (geb. 1932)
Englischer Pädagoge und Autor, leitete viele Jahre Dartington Hall, eine progressive Reformschule, gründete nach deren Schließung Sands School, besuchte alternative Schulprojekte auf der ganzen Welt und verfasste mehrere Bücher, Mitbegründer der International Democratic Education Conference (IDEC), Begründer des International Democratic Network (IDENET)

Rebeca WILD (geb.1939)
Deutsche Pädagogin und Autorin, betrieb mit ihrem Mann Mauricio von 1977 – 2005 die Experimentalschule Pesta in Ecuador, Umsetzung und Weiterentwicklung der Ideen von PIAGET und MONTESSORI, vorbereitete Umgebung, nichtdirektive Begleitung der Kinder, zahlreiche Aktive Schulen beziehen sich konzeptionell auf Rebeca WILD

Jeder Mensch hat andere Anlagen, Vorlieben, Wünsche, Arbeitsweisen und Stärken. Keine Schule kann allen Voraussetzungen und Bedürfnissen gleichermaßen gerecht werden. Auch unsere Schule ist nur ein Angebot unter vielen anderen und jeder muss prüfen, ob dieses Angebot gut passt.

Wir sind eine genehmigte Ersatzschule von Klasse 1 bis 10. Über Schulfremdenprüfungen kann man alle Schulabschlüsse machen, die man an einer staatlichen Mittelschule in Sachsen erwerben kann. Als Ganztagsschule haben wir täglich von 7.30 Uhr bis 17.00 Uhr, freitags bis 15.00 Uhr geöffnet.

Weitere Details zur Schulorganisation, wie Tagesablauf, Jahresplan, Schulgeldregelung, Aufnahmeverfahren, Angebote-Plan und so weiter, die jährlich aktualisiert werden, finden sich in einem gesonderten Heft, das Teil dieses Konzeptes ist.

In den folgenden sieben Punkten sind die Leitideen unserer Schule zusammengefasst und ihre Umsetzung im Alltag und der Struktur der Schule dargestellt:

  1. Respekt und Liebe - herausfinden, wer ich sein kann
  2. Ganzheitliche Entwicklung - sich emotional, intellektuell, physisch, spirituell und kreativ entfalten
  3. Lernen heißt Entdecken - aktiv handelnd die Welt verstehen
  4. Verantwortung für die Mitwelt übernehmen - Interkulturelle Bildung, Ökologische Bildung und Menschenrechtsbildung
  5. Eltern einbeziehen - als wichtige Partner im Schulleben
  6. Schule als demokratisches Gemeinwesen - wer betroffen ist, kann auch mit entscheiden
  7. Zusammenarbeit und Vernetzung - Öffnung der Schule nach innen und außen

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Konzept 2007 Stand 28.06.2007
fsl_konzept07.pdf
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