Stefanie Stabenow

Läuft man durch das Schulgebäude der Freien Schule, so sucht man vergeblich nach überfüllten Klassenräumen, in denen sich die Schüler den Po wund sitzen und sehnsüchtig auf die schrille Pausenklingel warten. Stattdessen trifft man auf Kinder und Jugendliche, die Zeitmaschinen basteln, recherchieren, wie unser Geldsystem funktioniert, aus Holzklötzen architektonische Wunderwerke bauen oder einen Kuchen backen und sich dabei in englischer Sprache unterhalten. Ich mag es jedenfalls sehr, die Gänge unserer Schule entlang zu laufen. Und ganz egal, bei welchen Tätigkeiten man die Schüler beobachtet, man kann eines immer wieder deutlich spüren: Schule und Lernen können ohne Zwang richtig Laune machen.

Seit Beginn des Schuljahres 2010/2011 bin ich ein Teil der Freien Schule Leipzig. Die Herzlichkeit und das offene Miteinander ließen mich schnell ankommen. Es ist faszinierend zu beobachten, mit welcher Selbstverständlichkeit demokratische Prinzipien hier gelebt werden. Entscheidungen und Regeln werden gemeinsam erarbeitet, umgesetzt und manchmal auch angepasst oder verändert. Jeder, ob groß oder klein, kann seine Schule dadurch mitgestalten und entwickeln. Auch lehrplantypische Wortfetzen wie Erziehung zu „selbstbestimmtem und solidarischem Handeln“ und Vermittlung von „Strategien, mit denen Konflikte gewaltfrei und argumentativ bewältigt werden“, bekommen an unserer Schule Leben eingehaucht.

Als Sport- und Biologielehrerin bringe ich Schüler gern zum Schwitzen und erkläre ihnen, warum wir bei körperlicher Anstrengung Glückshormone produzieren oder wie ein Muskelkater entsteht und wozu er gut ist. Sie können bei mir lernen, wieso ein See „umkippen“ kann und warum Enten selbst im tiefsten Winter keine kalten Füße bekommen. Am allerliebsten beobachte, untersuche, experimentiere ich gemeinsam mit den Schülern und versuche, sie für die naturwissenschaftliche Denkweise zu begeistern.